Verkehrssicherheit: Ablenkung als Unfallursache

Verkehrssicherheit - Unfälle oft menschliches Versagen

90 Prozent aller Lkw-Unfälle beruhen gänzlich oder zumindest zum Teil auf menschlichem Versagen. Gastautor Christoph Becker berät in Sachen Verkehrssicherheit und gibt Tipps, wie man konzentrierter und sicherer fährt.

Das sichere Führen eines Lkw oder Transporters erfordert jederzeit die volle Konzentration auf das Verkehrsgeschehen. Eine kurze Unaufmerksamkeit kann unter Umständen nicht nur zu gefährlichen Verkehrssituationen oder riskanten Fahrmanövern, sondern auch zu schlimmen Unfällen führen. 90 Prozent aller Lkw-Unfälle beruhen gänzlich oder zumindest zum Teil auf menschlichem Versagen. Das liegt daran, dass wir Menschen nur bedingt fähig sind mehrere Tätigkeiten zur gleichen Zeit oder in schnellem Wechsel auszuführen, da das Gehirn nur eine, maximal zwei komplexe Tätigkeiten gleichzeitig koordinieren kann.

Faktor „Mensch“

Bei der Fülle von Informationen, die wir im Straßenverkehr aufnehmen und verarbeiten müssen, läuft das Gehirn ständig auf Hochtouren. Allerdings sind seine Aufnahmekapazität und Leistungsfähigkeit begrenzt: Unter optimalen Bedingungen können wir maximal 7 bis 8 Sachverhalte gleichzeitig erfassen und auswerten.

Weitere Informationen, die für die Sicherheit im Straßenverkehr wichtig sein könnten, werden dann nicht mehr verwertet. Etwa 90 Prozent der Informationen aus der Umwelt nehmen wir als Momentaufnahmen über unsere Augen wahr. Ohne diese Bilder sind wir praktisch im „Blindflug“ unterwegs. Aus Routine glauben wir allerdings zu wissen, was geschieht, auch wenn wir mal nicht hinsehen. Aber wenn gerade dann der vorausfahrende LKW abbremst oder ein anderer Verkehrsteilnehmer uns die Vorfahrt nimmt?

Verkehrssicherheit - Ablenkung am Steuer

Die Verführung ist groß

Nicht nur das Smartphone, sondern auch viele alltägliche Handlungen können Ursache für Ablenkung sein. Selbst das Grübeln und Probleme wälzen während der Fahrt kann dazu führen, dass man gedanklich nicht mehr „bei der Sache“ ist und die Fahrhandlung wie automatisiert im Hintergrund abläuft. Der Blick geht nach „innen“ und weg vom Verkehrsgeschehen. Dann ist es schwer, Gefahrensignale zu erkennen, zu verarbeiten und rechtzeitig zu reagieren.

Was kann ich tun?

Eine sorgfältige Fahrvorbereitung ist für die Verkehrsicherheit unerlässlich.

Dazu sollte neben der Abfahrtkontrolle auch das Anpassen von Außenspiegeln sowie Sitz und Lenkrad gehören. Während der Fahrt bedeutet das Vornehmen der Einstellungen eine zusätzliche Ablenkung und damit verbundene erhöhte Unfallgefahr.

Das Navigationsgeraä sollte vor der Fahrt eingestellt und die Lautstärke überprüft werden, damit während der Fahrt keine Nachbesserungen erforderlich sind. Dazu gehört auch, die Freisprecheinrichtung des Telefons vor dem Start einzurichten. Mitgeführte Gegenstände sollten nicht unbefestigt auf der Ablage oder dem Beifahrersitz liegen. Sie können durch Verrutschen oder Herunterfallen während der Fahrt stark ablenken. Beim Suchen oder Greifen nach Gegenständen liegt das Risiko um ein Vielfaches höher. Wird der Blick kurz vom Verkehrsgeschehen abgewendet – und dabei möglicherweise das Lenkrad verrissen –, kann ein schwerer Unfall die Folge sein. Gegenstände wie Getränkeflaschen oder Frühstücksbox auf dem Beifahrersitz oder der Ablage des Armaturenbrettes lenken durch Rutschen, Rollen oder drohendes Herunterfallen während der Fahrt zusätzlich stark ab.

  • Versuchen Sie, zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen für die Verkehrssicherheit gezielt zu unterscheiden.
  • Richten Sie den Blick auf das Verkehrsgeschehen und nicht nach innen!

Christoph Becker

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