Fachkräftemangel in der Logistik: Warum will den Job keiner machen?

dateMontag, 29. Januar, 2018

Fachkräftemangel in der Logostikbranche

Die Logistik avanciert zu Deutschlands Super-Branche. Sie ist das Herz der produzierenden und konsumierenden Gesellschaft. Und doch sind aktuell rund 57.000 Jobs unbesetzt. Wie ist das zu erklären?

Als drittgrößte Branche Deutschlands beschäftigt die Logistik hierzulande rund drei Millionen Menschen, erwirtschaftete im Jahr 2016 branchenübergreifend rund 258 Milliarden Euro, sorgt kontinuierlich für Wachstum und hat für unser Leben eine enorme Bedeutung. Doch trotz des Erfolgs, den die Transport- und Logistikindustrie für sich verbuchen kann, meldet die Statistik der Bundesagentur für Arbeit im August mehr als 57.000 offene Stellen. Gleichzeitig wird es für Unternehmen immer schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Wie passt das zusammen?

Vielseitig, visionär, vital – aber auch attraktiv?
Aus einer Studie der Internet-Plattform www.studitemps.de und des Department of Labour Economics der University of Maastricht geht hervor, dass Verkehrs- und Logistikberufe trotz zahlreicher Aufstiegsmöglichkeiten für Berufseinsteiger kaum attraktiv sind. Nur 2,6 Prozent der 20.000 befragten Hochschulabsolventen wollen nach ihrem Abschluss als Logistiker arbeiten. Ursache: Die Transportbranche kämpft mit ihrem Image. In der Öffentlichkeit, den Medien und in Teilen der Politik nehmen Menschen sie oft nicht positiv wahr. Sie assoziieren negative Themen wie CO2-Emissionen, Verkehrsstaus, Lärm, Umweltschäden und niedrige Löhne. Nicht so in der Wirtschaft, in der der Nutzen und Wert für das Land hoch geschätzt wird. Denn den bietet die Logistik reichlich: Schnelle und verlässliche Versorgung mit Gütern, perfekte Organisation von Produktions- und Lieferprozessen, Wegbereiter für den wachsenden Online-Handel.

Das Image der Logistik ist folglich schon lange nicht mehr zeitgemäß und wird in der stereotypen Darstellung dem gigantischen Leistungsbereich und den dynamischen Innovationen nicht gerecht. Denn die Branche hat sich rasant weiterentwickelt. Sie bietet neue, attraktive Berufsfelder, beispielsweise im Bereich der Digitalisierung. Die Karrierechancen sind ausgezeichnet, Arbeitsplätze zukunftssicher.

Erfreulich auch: Die Zahl der jungen Akademikerinnen, die sich für ein Logistikstudium entscheiden, steigt. Dieser positive Trend zeigt sich in der Mitgliederstatistik der Bundesvereinigung Logistik (BVL). Danach sind fast 30 Prozent der studierenden Mitglieder weiblich – Tendenz steigend. Von den neuen femininen Akzenten profitiert die Branche deutlich. Sie wird kommunikativer, offener, vielseitiger. Das Thema Familienfreundlichkeit, flexible Arbeitszeiten und Work-Life Balance hält vermehrt Einzug bei Logistik-Dienstleistern.

Neue Wege bei der Personalsuche gehen

Doch attraktive Rahmenbedingungen sind das eine. Sie zu kommunizieren das andere. Wie erreicht man beispielsweise Lkw-Fahrer, die derzeit landauf landab händeringend gesucht werden? Auch bei pfenning logistics standen wir vor der Aufgabe, 120 Fahrer-Jobs zu besetzen. Und obwohl wir ausgezeichnete Arbeitsbedingungen zu bieten haben, gelang es uns anfangs nicht, die offenen Stellen zu besetzen. Bis wir unsere Strategie geändert haben.

Statt Stellenanzeigen zu schalten, haben wir den Schritt in die sozialen Medien und damit in die Online-Kommunikation gewagt. Über die Plattform LKW Logenplatz und eine neue, korrespondierende Facebook-Fanpage haben wir die Kommunikation mit der Fahrer-Community aufgenommen – mit riesiger Resonanz. Unser Ansatz: Nicht wir als Arbeitgeber sprechen hier über uns, sondern unsere Fahrerinnen und Fahrer berichten, wie sie den Job als Berufskraftfahrer bei pfenning logistics täglich erleben. Ehrlich, offen, ohne Regieanweisungen.

Gekoppelt mit aktuellen Stellenangeboten und unserem Unternehmensprofil haben sich die Bewerberzahlen innerhalb weniger Wochen verdreifacht. Mit über 4.000 Fans sind wir heute allein auf Facebook täglich im Dialog.

Ein willkommener Nebeneffekt: Die neue Online-Kommunikation fördert intern den Teamgeist und Zusammenhalt der Fahrer und extern die Wahrnehmung des Unternehmens als fairer Arbeitgeber.

Fazit: Wer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Botschaftern seines Unternehmens macht, gewinnt in hohem Maße ehrliches Interesse und Sympathie im Markt. Wenn mehr und mehr Unternehmen unserer Branche diesen Schritt wagen und den Mut haben, Profil zu zeigen, wird sich das Image mit Sicherheit wandeln. Die Logistik ist spannend, perspektivenreich und zukunftssicher. Je mehr Logistiker diese Botschaft transportieren, umso schneller werden wir die Attraktivität unserer Branche steigern können.

Written by Yeliz Kavak-Küstner

ist Leiterin Marketing, PR & New Business bei pfenning logistics, einem der führenden Kontrakt- und Handelslogistiker in Deutschland. Seit 2012 im Unternehmen hat die studierte Sprach- und Kulturwissenschaftlerin zahlreiche Maßnahmen zur Neuausrichtung des Logistikers realisiert, darunter eine Employer Branding-Kampagnen für Lkw-Fahrer und die Positionierung eines Logistikzentrums nach DGNB Platin-Standard. Erste Logistik-Station in ihrer Marketingkarriere war das Unternehmen GEODIS. Für GEODIS Deutschland hat sie die Marketingkommunikation als eigene Abteilung aufgebaut.



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