Lkw-Fahrer dringend gesucht

dateDonnerstag, 3. Januar, 2019

Der Mangel an Lkw-Fahrern nimmt immer schwerwiegendere Formen an. Auf diesen gefährlichen Missstand wies jetzt eine Initiative aus 14 Verbänden hin und warnte vor einem Versorgungskollaps.

Die Lage spitzt sich zunehmend zu. Bereits in den vergangenen Jahren warnten die Transport- und Logistikverbände vor einem zunehmenden Fahrermangel. In jüngster Zeit führte das bereits zu einigen Engpässen bei der Auslieferung. Die Zahlen lassen aufhorchen. Jedes Jahr gehen in Deutschland etwa 67.000 Fahrer in Rente oder suchen sich einen anderen Job. Gleichzeitig gelingt es den Unternehmen aber nur 27.000 neue Fahrer anzuwerben. Dadurch entsteht jährlich eine Lücke von etwa 40.000 Fahrern. Nach Aussagen der 14 Verbände, darunter auch der Bundesverband Güterverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), der Bundesverband Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA), der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) und der Bundesverband Paket & Express Logistik (BIEK), führt dies bereits zu akuten Engpässen in der gesamten Logistikbranche.  Das wiederum hat gravierende Folgen für die gesamte deutsche Wirtschaft und Gesellschaft.

Fünf Punkte zum Erfolg

Die Initiative überreichte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer einen Fünf-Punkte-Plan, um den Beruf des Fernfahrers wieder attraktiver zu gestalten. Dabei steht eine höhere Wertschätzung des Berufes in Gesellschaft und Wirtschaft ganz oben. Immer häufiger klagen die Lkw-Fahrer, dass sie an den Rampen unfair behandelt werden. Das gleiche gilt zunehmend im Straßenverkehr. Gleichzeitig benötigen sie oft lange Zeit, um auf den Autobahnen einen Parkplatz zu finden, während die Lenk- und Ruhezeiten ihnen im Nacken sitzen. Das sind keine schönen Vorstellungen für Neueinsteiger. Der Ruf vom König der Landstraße ist schon lange dahin.

Späte Reaktion

Dass die Berufsverbände erst so spät mit einer geschlossenen Aktion reagieren, ist hingegen erstaunlich. Bereits seit ein paar Jahren ist diese entstandene Lücke bekannt. Dafür sorgte allein schon der demografische Wandel. Bisher gab es jedoch immer nur mahnende Worte von einzelnen Verbänden, die mehr oder weniger verpufften. Vielleicht wird die Mahnung jetzt vom politischen Berlin gehört, denn letztendlich geht es um ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Der Fünf-Punkte-Plan

  • Attraktivität des Fahrerberufs erhöhen – höhere Wertschätzung, fairer Umgang an der Rampe, bessere Entlohnung, bessere Work-Life-Balance
  • Ausbildung und Qualifizierung verbessern und stärken – beschleunigte Grundqualifikation ausbauen, Berufsausbildung moderner und attraktiver gestalten, schnellere Anerkennung ausländischer Fahrerlaubnisse
  • Fahrergewinnung unterstützen – umfassende Imagekampagne, Beruf muss in Fachkräfte-Engpassanalyse aufgenommen werden, Beruf sollte an Schulen größere Rolle spielen
  • Infrastruktur verbessern/Planungen beschleunigen – Zustand der Straßen, Parkplätze optimieren, Baustellenmanagement verbessern, schnellere Umsetzung von Projekten
  • Umfassend digitalisieren – Prozesse im Transportsektor besser vernetzen, flächendeckender Ausbau der digitalen Infrastruktur, Datenstandards schaffen

 

 

 

 

Written by Ralf Johanning

Ralf Johanning ist studierter Politikwissenschaftler und freier Journalist. Seit über zehn Jahren berichtet er über die Transport- und Logistikbranche. Zu den Schwerpunkten gehören Themen wie Telematik, Software und ITK. Der ausgebildete Redakteur, Ressortleiter und Pressereferent hat im Jahr 2006 mit seiner Partnerin Ann-Christin Wimber das Redaktionsbüro Alte Schule gegründet.


Comment Reply

Spürbar ist der Mangel schon überall. Gerade in den Spitzen, zu den Feiertagen, macht sich der Mangel bemerkbar.
Doch sämtliche Offensiven gegen den Fahrermangel, kommen zu spät.
Jahrzehnte lang wurde gegen den Beruf des Kraftfahrers gewettert. Gerade auch diejenigen die jetzt irgendwelche sinnfreien Kampagnen starten. Utopische Ideen voranbringen, die sowieso nicht umgesetzt werden. Ich persönlich finde: selbst Schuld. Schuld an diesem ganzen Dilemma sind doch die “ Großen „. Jahrzehnte lang haben sie den Preis der Frachten bestimmt. Künstlich niedrig gehalten. Diesen Preisverfall haben die Berufskraftfahrer jahrelang auf Ihrem Rücken und mit Niedriglöhnen ausgeglichen. Und jetzt wo viele in Rente gehen oder von sich aus die Segel streichen, weil sie auf diese Verdummung keine Lust mehr haben, wachen alle auf und sagen wir müssten etwas tun. Diese Branche hat sich selber abgeschafft. Ausgerechnet jetzt, wo wir die Logistik mehr denn je brauchen. Ich als ausscheidener Kraftfahrer, sehe dem ganzen mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Lachend, weil die die Preise jahrelang diktiert haben, langsam der Popo auf Grundeis geht. Die schönste, beste Logistik funktioniert ( noch ) nicht ohne Kraftfahrer. Und weinend weil diese Anspruchsvolle Tätigkeit und Branche den Bach runter geht. Auch ich habe mit meinem Privatleben, jahrelang diesen M… mitgetragen. Doch jetzt ist Schluss. Ich möchte endlich was vom Leben haben, und nicht irgendwelche Getränke aus dem tiefsten Süden in den Norden karren, damit hier jemand, der ständig über die überflüssigen LKW auf der Autobahn schimpft, den Umweltschutz mehr Tribut zollt als dem Angestellten auf dem LKW, sich den Wanst mit dem edlen Tafelgesöff vollhaut, anstatt den Krempel aus der Region zu trinken.
Wacht endlich alle auf. Ändert euer Kaufverhalten und gebt den Menschen die außergewöhnliches leisten, endlich den Lohn der ihnen zusteht. Kein Kraftfahrer geht nach 8 oder 10 Stunden nach Hause. In der Regel sind es 12 bis 15 Stunden, und der Feierabend wird auf irgendeinem überteuerten Rast/Autohof verbracht, oder auf irgendwelchen Parkplätzen ohne Ess/Waschmöglichkeit.
Die Logistik wie wir sie heute kennen wird in 3 Jahren nicht mehr funktionieren.


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