Macht mal Platz, Männer! Frauen in der Logistikbranche

In der Logistikbranche arbeiten nach wie vor deutlich weniger Frauen als Männer. In den meisten Unternehmen liegt der Frauen-Anteil unter der 40-Prozent-Marke. Der weibliche Anteil in Führungskreisen ist ebenfalls verschwindend gering. Der Anteil liegt hier bei weniger als zehn Prozent. Das sind Ergebnisse einer Gruppenbefragung unter ausgewählten Unternehmen der Bundesvereinigung Logistik.

Hochregale, Lastkraftwagen, Schwertransport, Muskeljobs, rauer Umgangston – über lange Zeit hat sich dieses Klischee verfestigt und Frauen davon abgehalten, ihre berufliche Laufbahn in dieser Branche zu planen. Bis jetzt! Seit ein paar Jahren steigt die Zahl der Mitarbeiterinnen, zwar zaghaft, aber stetig. Die Hauptsäule ist die Ausbildung zur Kauffrau der Spedition und Logistikdienstleistung. In diesem Bereich besetzen junge Frauen bereits ein Drittel der Jahrgänge. Auch immer mehr Akademikerinnen entscheiden sich für ein Logistik-Studium. Grundsätzlich spürt man ein wachsendes Interesse an Jobs im administrativen Bereich. Noch wenige Frauen arbeiten als Fachkraft für Lagerlogistik oder Fachlageristin. Aber sogar hier lässt sich eine steigende Tendenz feststellen.

Unternehmen kümmern sich um neue Arbeitszeitmodelle

Die weibliche Präsenz wird langsam sichtbar in einer Branche, die unaufhaltsam wächst. Vor ein paar Jahren noch ein unbeackertes Feld, kümmern sich heute immer mehr Unternehmen um Familienfreundlichkeit, flexible Arbeitszeiten und Work-Life Balance und signalisieren den Wunsch, in Zukunft vom starken Geschlecht zu profitieren. Zu Recht: Der Wirtschaftszweig hat viel zu lang gewartet, sich die Mehrwerte der weiblichen Kompetenz zu Nutze zu machen.

Empathie und Kommunikationsstärke

Arbeitspsychologen und Coaches sind sich einig: Frauen gehen Herausforderungen häufig unter einem anderen Blickwinkel an als Männer und können zur schnelleren Problemlösung beitragen. So werden den Damen der Schöpfung typisch weibliche Eigenschaften wie Kommunikationsstärke und Empathie bescheinigt. Gepaart mit hoher beruflicher Qualifikation und einem wirtschafts- oder ingenieurwissenschaftlichem Verständnis könnte der wachsende Frauenanteil in einer als „Männerwelt“ wahrgenommenen Branche für einen erfrischenden Auftritt sorgen und der als konservativ eingestuften Branche zu einem neuen, jüngeren Image verhelfen.

Das Problem des Fachkräftemangels ist weder männlich, noch weiblich

Und auch das müssen Logistiker in ihren Arbeitgeberkampagnen transportieren: Wer sich als Frau für eine Karriere in Deutschlands drittgrößter Branche begeistert, hat exzellente Zukunftschancen. Der Wirtschaftsbereich bietet viele attraktive Berufsbilder, ein extrem breites Aufgabengebiet und vielseitige Karrieremöglichkeiten. Keine andere Branche vermeldet so viele unbesetzte Stellen. Es warten spannende Jobs in der Wissenschaft, der Technik, in kaufmännischen Bereichen oder in der IT. Die Digitalisierung verändert die Berufsfelder zunehmend und in einer rasenden Geschwindigkeit. Immer spezifischer die Anforderungen, immer vernetzter die Abteilungen, immer komplexer und sensibler der Umgang mit den Kunden. Die Logistik steht vor immensen Herausforderungen und braucht mehr denn je kompetentes Personal. Denn das Problem des Fachkräftemangels ist weder männlich, noch weiblich.

Ohne Frauen wird die Logistikbranche in Zukunft nicht funktionieren. Also müssen wir als die Logistik-Unternehmen die Weichen so stellen, Frauen den Einstieg und die Karriere in der Branche so leicht wie möglich zu machen. Flexible Arbeitszeiten, Kinderbetreuung, Familienfreundlichkeit, aktives Bewerben auf Job- und Karrieremessen, interne Förderprogramme – nur Mut, Männer! Im War for Talents könnten Frauen zu einer starken Waffe werden.

Yeliz Kavak-Küstner

Leiterin Marketing, PR & New Business bei Pfenning Logistics, einem der führenden Kontrakt- und Handelslogistiker in Deutschland. Seit 2012 im Unternehmen hat die studierte Sprach- und Kulturwissenschaftlerin zahlreiche Maßnahmen zur Neuausrichtung des Logistikers realisiert, darunter eine Employer Branding-Kampagne für Lkw-Fahrer und die Positionierung eines Logistikzentrums nach DGNB Platin-Standard. Erste Logistik-Station in ihrer Marketingkarriere war das Unternehmen GEODIS. Für GEODIS Deutschland hat sie die Marketingkommunikation als eigene Abteilung aufgebaut.

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Jim Winkler
2 Jahre zuvor

Ich habe mal eine Zeit lang als Lagerlogistiker gearbeitet. Es waren durchaus ein paar tolle Jobs an die ich mich gerne zurück erinnere. Ich hatte oft sehr viel Spaß dabei. Mal sehen wann ich den nächsten Zweitjob anfange.

Mailin Dautel
2 Jahre zuvor

In der Fahrschule habe ich gelernt, dass selbst der Schwertransport genaustens geplant wird aber auch Gegenstände mit ungewohnten Größen. Interessant, dass man dafür eine Begleitung braucht und es besondere Uhrzeiten und Strecken gibt die beachtet werden müssen.

Larissa Behrmann
2 Jahre zuvor

Gut zu wissen, dass die alten Klischees über die Logistik nicht ganz richtig sind und sich nun mehr Frauen an diesen Job trauen. Ich bin nun schon zu Schwertransportern gewechselt und morgen steht auch schon die nächste Wiegung von Schwertransporten auf der Liste. Ich bin eine Frau und liebe diesen Job und hoffe mehr Frauen folgen meinem Beispiel.

Julia Schwarzmann
1 Jahr zuvor

In unserem familiengeführten Unternehmen für Schwertransporte arbeite ich als einzige Frau. Wenn die Firma nicht meiner Familie gehören würde, wäre ich wahrscheinlich nie zu diesem Arbeitsbereich gekommen, aber ich finde es schön, dass sich immer mehr Frauen in der Logistik tätig werden. Danke für den tollen Beitrag!

Laura Urban
1 Jahr zuvor

Auch meine Vorstellung der Logistikbranche ist geprägt von Lkws und Schwertransportern, begleitet von einem rauen Umgangston. Schön zu lesen, dass dies nur ein Klischee ist und immer mehr Frauen sich für eine Arbeit in der Logistik interessieren. Hätte nicht gedacht, dass bereits ein Drittel der Ausbildungsjahrgänge Frauen sind.

Lisbeth Maler
8 Monate zuvor

Ich finde, dass es längst überfällig ist, dass auch Frauen eine Gabelstapler Ausbildung oder ähnliches machen können. Immerhin stimmt es, dass Frauen Herausforderungen häufig unter einem anderen Blickwinkel angehen als Männer und zur schnelleren Problemlösung beitragen können. So könnten auch handwerkliche Branchen langfristig davon profitieren.

Martin Lobinger
8 Monate zuvor

Gut zu wissen, dass das Problem des Fachkräftemangels im Bereich der Logistik nicht ausschließlich bei den Frauen zu beobachten ist. Meine Tante arbeitet im Bereich der Logistik seit mehreren Jahren. Sie sagt, dass sie sich für den Job umso mehr dadurch motiviert, dass die Anzahl von beschäftigten Frauen gering ist.

Martin Lobinger
6 Monate zuvor

Schade zu wissen, dass immer noch wenige Frauen als Fachkraft für Lagerlogistik arbeiten. Meine Nichte arbeitet aber jetzt neben ihrem Studium als ungeprüfte Lagerfachkraft. Sie genießt die starke Technologisierung des Lagerbereichs.

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