Nutzfahrzeugindustrie: Saubere Lkw sind schwer zu verkaufen

dateSonntag, 10. März, 2019

Nach der Einigung der EU-Institutionen auf Kohlendioxid-Grenzwerte für Lkw sehen die Hersteller-Verbände nur wenig Chancen auf eine Umsetzung, da es an der notwendigen Infrastruktur und der Nachfrage fehle. 

Nun ist es amtlich. Die Europäische Union will den Kohlendioxidausstoß von neuen Lkw und Bussen reduzieren. Bis zum Jahr 2025 soll dieser um 15 Prozent sinken. Ab 2030 sollen es dann 30 Prozent sein. Als Basis gilt das Jahr 2019 – so haben es europäisches Parlament, Kommission und Rat entschieden. Ob das letztendlich reichen wird, um die bisher versäumten politischen Richtungsweisungen nachzuholen, bleibt zu bezweifeln.

Ziele für mehr saubere Luft zu anspruchvoll

Trotz aller Notwendigkeit, bleibt die Nutzfahrzeugindustrie hartnäckig bei ihrer Position. In einer Reaktion spricht der europäische Verband der Automobilhersteller ACEA von einem sehr anspruchsvollen Ziel und versucht gleichzeitig den „Schwarzen Peter“ an die Mitgliedstaaten zurückzureichen. „Wir können die Länder jetzt nur dazu auffordern, ihre Anstrengungen dringend zu verstärken, um eine Infrastruktur für das Betanken und Aufladen von Lkw mit alternativen Kraftstoffen zu schaffen. Denn um diese Ziele zu erreichen, müssen Lkw mit alternativen Kraftstoffen massenweise verkauft werden“, sagte ACEA Generalsekretär Erik Jonnaert. Das wird jedoch noch weitgehend vom Verband bezweifelt. Denn Jonnaert ist überzeugt, dass die Nachfrage bei der Einführung des Systems keinerlei Berücksichtigung gefunden habe. „Wir können nicht erwarten, dass Transportunternehmen auf einmal Elektro-Lkw oder alternativ angetriebene Lastwagen kaufen, solange kein Geschäftsmodell vorhanden ist“ betont  Jonnaert.

Staaten müssen für Infrastruktur sorgen

Darüber hinaus vernachlässigt der Verband in seiner Stellungnahme in vielen Bereichen die freie Marktwirtschaft und fordert sogar ein massives Eingreifen der Staaten, indem er verlangt, dass die politischen Entscheidungsträger dafür sorgen müssten, dass die von den Herstellern zu produzierenden Zero-Emission-Trucks tatsächlich von den Kunden gekauft und bedient werden können. Eine Reaktion, die in dieser Eindeutigkeit doch ein wenig überrascht.

Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) schließt sich der Meinung des ACEA an. Für VDA-Präsident Bernhard Mattes schießen die Vorgaben über das Ziel hinaus. Die Kritik dabei ist vielseitig. Zum einen sollen sie der technischen und wirtschaftlichen Realität  zu wenig Rechung tragen. Zum anderen seien die Regeln für die Anrechnung von besonders umweltfreundlichen Fahrzeugen unzureichend. Und auch Mattes betont nochmals, dass eine Infrastruktur für die Nutzung von Lkw mit alternativen Energien fehle. Bis zum Jahr 2015 bleibt ja noch ein wenig Zeit.

 

 

 

 

Written by Ralf Johanning

Ralf Johanning ist studierter Politikwissenschaftler und freier Journalist. Seit über zehn Jahren berichtet er über die Transport- und Logistikbranche. Zu den Schwerpunkten gehören Themen wie Telematik, Software und ITK. Der ausgebildete Redakteur, Ressortleiter und Pressereferent hat im Jahr 2006 mit seiner Partnerin Ann-Christin Wimber das Redaktionsbüro Alte Schule gegründet.



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