Maut: Die OBU wird dümmer

dateMontag, 5. März, 2018

Zum 1. Juli wird das Netz der mautpflichtigen Straßen ausgeweitet. Maut-Betreiber Toll Collect gibt an, dass die elektronischen Endgeräte im Fahrzeug dann das Straßennetz nicht mehr an Bord haben können. Der Aufwand ist sei zu groß. Dafür verschwindet dann die Tourenabrechnung vom Display.

Ein Blick in den Blog des Maut-Betreibers Toll Collect offenbart die Fassungslosigkeit vieler OBU-Nutzer. Mit der Einführung des erweiterten mautpflichtigen Straßennetzes stellt der Betreiber die dezentrale Mautberechnung auf eine zentrale Abrechung um. Die OBU sendet somit die Fahrdaten und die fahrzeugspezifischen Eigenschaften an ein externes Rechenzentrum und berechnet die Straßengebühr nicht mehr selbst.

Bereits seit Oktober ist der Maut-Betreiber dabei, die OBU-Geräte umzustellen. Auf dem Display sind dann nur die Zahl der Achsen, das Gewicht und das Land, in dem der Lkw unterwegs ist, zu sehen. Der Grund für die Umstellung sei die Ausweitung der Maut auf viele Bundesstraßen. Damit erweitert sich das Netz von 15.000 Kilometer auf dann 52.000 Kilometer. Die Tarifabschnitte vervielfachen sich entsprechend von 9.000 auf 140.000. Das hat zur Folge, dass eine permanente Aktualisierung der Endgeräte nicht mehr möglich ist.

Für die Betroffenen ist das ein „riesengroßer Witz“, wie es Rudi Schuck in seinem Kommentar schreibt. Denn durch die Umstellung sind die Geräte nicht mehr in der Lage, den gefahrenen Mautbetrag pro Tour beziehungsweise Kunden anzuzeigen. In der Praxis ist es aber oft üblich, den Mautbetrag direkt bei Lieferung der Ware auf dem Lieferschein zu notieren. Das wird jetzt nicht mehr möglich.

Toll Collect weist darauf hin, dass sich Transporteure in solchen Fällen vorab bei der Online-Einbuchung anmelden müssen. Hier besteht dann die Möglichkeit, die gefahrene Maustrecke im manuellen Verfahren nachzustellen. Die Buchung dürfe dann aber nicht abgeschlossen werden.

Im normalen Fall sollten die Berechnungen über die zentrale Mauterhebung innerhalb von höchstens 48 Stunden zur Verfügung stehen. Diese lassen sich dann im Kunden-Portal unter der Rubrik „Nicht abgerechnete Fahrten“ einsehen. Die Fahrer können für die Kunden und Touren Kostenstellen vergeben. Diese lassen sich dann den einzelnen Kunden zuordnen. Mit dieser Tatsache müssen die Anwender leben und ihre Prozesse entsprechend umstellen.

Lesen Sie auch: OBU-Display ändert sich

Written by Ralf Johanning

Ralf Johanning ist studierter Politikwissenschaftler und freier Journalist. Seit über zehn Jahren berichtet er über die Transport- und Logistikbranche. Zu den Schwerpunkten gehören Themen wie Telematik, Software und ITK. Der ausgebildete Redakteur, Ressortleiter und Pressereferent hat im Jahr 2006 mit seiner Partnerin Ann-Christin Wimber das Redaktionsbüro Alte Schule gegründet.



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